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Fachtagung und Vollversammlung der AGBF in Wilhelmshaven PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 10 Dezember 2009
Die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren in Deutschland (AGBF), eine
Amtsleiterkonferenz unter dem Dach des Deutschen Städtetages, hat vom 10. – 12.11.2009
eine Fachtagung sowie ihre im dreijährigen Rhythmus stattfindende Vollversammlung
durchgeführt.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort des Wilhelmshavener
Oberbürgermeisters Eberhard Menzel, der seine Freude zum Ausdruck brachte, dass sich die
Chefs der 102 deutschen Berufsfeuerwehren in seiner Stadt treffen, und auf die Bedeutung
einer wirksamen Gefahrenabwehr hinwies.

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann überbrachte die Grüße der
Landesregierung und bekannte sich zur kommunalen Verankerung des Feuerwehrwesens.
Sein Bekenntnis zu den speziell in Niedersachsen eher polizeilich geprägten Strukturen, in
denen Polizeidirektionen an die Stelle der bisherigen Bezirksregierungen getreten sind, rief
eine intensive Diskussion hervor, in der durch die Feuerwehren darauf hingewiesen wurde,
dass „Feuerwehr durch Feuerwehr geführt werden muss“. Die Position der Feuerwehren ist in
einem Thesenpapier „Erhalt der Identität der Feuerwehren“ nachzulesen, welches 2009 von
den kommunalen Spitzenverbänden, dem Deutschen Feuerwehrverband und der AGBF
gemeinsam veröffentlicht wurde (eingestellt unter www.agbf..de).

Im Mittelpunkt der Fachtagung stand die Frage der Auswirkungen des drohenden
Klimawandels auf die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr. Der Präsident des Bundesamtes für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger, sowie Dr. Wolfram
Geier, ebenfalls BBK, referierten hierzu. Senator Thorsten Geißler, Dezernent für Sicherheit,
Ordnung und Umwelt in der Hansestadt Lübeck, beleuchtete die Fragestellung aus politischer
Sicht und empfahl den Feuerwehren eindringlich, sich bereits im Vorfeld von Planungen
einzumischen. Siedlungen in hochwassergefährdeten Bereichen sind nicht mehr
problematisch, sondern unverantwortlich, wenn aus dem Jahrhunderthochwasser ein
Jahrzehnthochwasser wird.

Herr Dr. Matthias Prall von der Firma Sthamer-Hamburg referierte über die aktuelle
Diskussion zur Verwendung von Fluor-Chemikalien in Schaummitteln und Herr Hans-
Joachim Gressmann informierte als Vorsitzender des Normenausschusses Feuerwehrwesen
(FNFW) über den Stand der nationalen (DIN) wie der europäischen (CEN) und der
weltweiten (ISO) Normung.

Im Rahmenprogramm wurden das Deutsche Marinemuseum und die beeindruckende
Baustelle des Jade-Weser-Ports, des künftigen einzigen tideunabhängigen deutschen
Tiefwasser-Hafens, besichtigt.

Die Vorsitzenden der Arbeitskreise berichteten über die in diesen Gremien geleistete
Facharbeit: Grundsatzangelegenheiten, Ausbildungs- und Technikfragen, Zivil- und
Katastrophenschutz, vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz. Inhaltlich seien exemplarisch
die folgenden Themen genannt:

• Die deutschen Berufsfeuerwehr sind mittlerweile – aufbauend auf die 2006 gemachten
Erfahrungen im eigenen Land – in beratender Funktion für die FIFA WM 2010 in
Südafrika tätig. Gleiches gilt für die Fußball-WM der Frauen 2011 in Deutschland und
auch die EM 2012 in Polen bzw. der Ukraine und die FIFA WM 2014 in Brasilien
werden voraussichtlich Expertise von den deutschen Berufsfeuerwehren erhalten.
• Warnen ohne Wecken ist eine Halbheit, informiert werden kann nur derjenige, dessen
Aufmerksamkeit vorher geweckt worden ist! Seit dem Abbau der Sirenen gibt es in der
Bundesrepublik aber kein flächendeckend wirksames System zum Wecken der
Bevölkerung mehr. Die AGBF fordert die Wiedereinführung von Sirenen, weil ein
effektives Wecksystem ohne Sirenen flächendeckend nicht realisierbar ist. Neu
entwickelte Techniken, z.B. private Rauchmelder mit funk-ansteuerbarer Alarmfunktion
können ein sinnvolle Ergänzung sein.

• Das Laufbahnrecht der Feuerwehrbeamten steht vor einschneidenden Veränderungen.
Die AGBF fordert, dass die Ausbildung zwischen den 16 Bundesländern einheitlich
anerkannt sein muss. Es darf nicht zu der skurrilen Situation kommen, dass die
Ausbildung eines Bewerbers aus einem weiteren EU-Land rechtlich anerkannt werden
muss, die Versetzung zwischen zwei Bundesländern aber an mangelnder
Vergleichbarkeit der jeweiligen Ausbildungsvorschriften scheitert.
• Die besondere Ruhestandsgrenze für Beamte der Berufsfeuerwehren muss auch künftig
bei maximal 60 Jahren liegen. Alles andere wäre eine Absenkung des
Versorgungsniveaus durch die Hintertür auf dem Rücken der Einsatzkräfte.
Innerhalb der AGBF wurde der Vorstand neu gewählt. Er setzt sich nunmehr zusammen aus
den Herren

• OBD Dipl.-Ing. Klaus Maurer, BF Hamburg (Vorsitzender)
• Direktor der Feuerwehr Dipl.-Ing. Stephan Neuhoff, BF Köln
• BD Dipl.-Ing. Ludwig Geiger, BF Gera (zugleich Vizepräsident des DFV)
• BOR Dipl.-Phys. Johannes Buchhauser, BF Regensburg
• LtdBD Dipl.-Phys. Karl-Heinz Knorr, BF Bremen

Der Dank aller Teilnehmer ging an die Organisatoren von der Feuerwehr Wilhelmshaven, die
ein sehr ansprechendes Programm organisiert hatten.
Abbildun

neuer Vorstand
Hr. OBD Schäuble Senator Geißler

Abbildungen
1.) Teilnehmer der AGBF-Vollversammlung
2.) Der neu gewählte AGBF-Vorstand (v.l.: Buchhauser, Neuhoff, Maurer, Knorr, Geiger)
3.) OBD Wolfgang Schäuble, BF München, berichtet aus dem Arbeitskreis
Grundsatzfragen
4.) Senator Thorsten Geißler, Hansestadt Lübeck, referiert über „Klimawandel und
Politik“
Verfasser: K.-H. Knorr, BF Bremen
 
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